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Schriftliche Anfrage Nr. 817/2

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Originaltext:

Schriftliche Anfrage Nr. 817/2 des Bezirksverordneten Koska, Andreas, Fraktion B'90/Die Grünen vom 17.01.2006 fällig am 17.02.2006

Hermann Sudermann - verschwindet eine Erinnerungsstätte?

Ich frage das Bezirksamt:

1. Treffen Meldungen, dass die Gedenkstätte für Hermann Sudermann in der Bettinastraße aufgelöst wird, zu?

2. Sind dem Bezirksamt die Gründe bekannt?

3. Hat das Bezirksamt vorab von dieser Maßnahme erfahren und ist versucht worden, diese Gedenk- und Bildungsstätte im Bezirk zu erhalten?

Antwort des Bezirksamtes

Sehr geehrte Frau Vorsteherin,

die Schriftliche Anfrage beantworte ich für das Bezirksamt wie folgt :

Zu 1.
Es trifft zu, dass das denkmalgeschützte Haus in der Bettinastr. 3, das einzelne Mietwohnungen enthält und bisher einer Erbengemeinschaft gehörte, verkauft und Mobiliar sowie Kunstgegenstände aus dem Besitz Sudermanns in dem Berliner Auktionshaus Leo Spik versteigert worden sind. Das wurde dem Bezirksamt von der Vorsitzenden der Hermann-Sudermann-Stiftung bestätigt. Die Sudermann-Gedenkstätte ist davon aber nicht betroffen.

Die repräsentative Villa in der Bettinastraße 3 erwarb Sudermann erst im Jahre 1909 und verbrachte hier und in seinem märkischen Barockschlösschen Blankensee bei Trebbin die letzten Jahres seines Lebens. Nach seinem Tod 1928 übernahm die auf sein Vermächtnis hin gegründete Hermann-Sudermann-Stiftung das Haus und erhielt es als Dichter-Gedenkstätte. Aus Geldmangel entschloss sich die Stiftung 2005, das Haus zu verkaufen. Die Besitztümer Sudermanns wurden im November 2005 ver-steigert.

Das Haus ist heute vermietet. Bis 1995 fanden hier die jährlichen Mitgliederversammlungen statt. Es wurden Lesungen und Konzertabende veranstaltet, um das kleine Stiftungsvermögen zu erhalten. Das Haus gehörte aber nie der Stiftung.

Am Haus erinnern eine Bronzetafel und ein Reliefporträt an den Dichter Sudermann. Die Bronzetafel erinnert auch an den Dramatiker und Lyriker Rolf Lauckner (1887-1954). Zum 75. Todestag fand in der Kommunalen Galerie 2003 eine Ausstellung zu Leben und Werk des Dichters statt.

Hermann Sudermann (1857-1928) lebte und arbeitete in Berlin und in Brandenburg. Sein bevorzugter Aufenthaltsort war das Schloss Blankensee. Er kaufte das Anwesen mit weitläufigem Park im Jahr 1902 und widmete sich fortan der umfangreichen Ausgestaltung. Er stattete das Herrenhaus mit antiken Kunstgegenständen aus und schmückte die Parkanlage (4,5 Hektar) mit Skulpturen, Säulen und Urnen, die er während seiner Italienreise erwarb. Das Schloss wurde zu seinem ständigen Wohnsitz. Hier lebte und arbeitete er bis zu seinem Tod.

Das Werk des Dichters und Schriftstellers wird heute durch die Hermann-Sudermann-Stiftung bewahrt. Sie möchte die Erinnerung an Hermann Sudermann, sein Werk und Wirken wieder wecken und lebendig erhalten. Die Stiftung wurde 1929 auf Initiative des Stiefsohnes Rolf Lauckner gegründet. Zweck der Stiftung ist die Unterstützung notleidender Schriftsteller.

1994 konnten Haus und Park Blankensee der Brandenburgischen Schlösser GmbH übereignet werden. Nach der Sanierung, Restaurierung und Errichtung des Ostflügels nutzt die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften das Haus als Tagungsstätte.

Das ehemalige Arbeitszimmer wurde als Gedenkraum eingerichtet und ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Heimatmuseum Blankensee gibt es eine Ausstellung, die auf das Leben und Werk Sudermanns verweist. Im Park finden regelmäßig Führungen statt.

Zu 2.
Sudermanns Ruhm ist heute verblasst und entsprechend niedrig sind die Tantiemen. Der Erhalt der Villa in der Bettinastr. 3 ist damit nicht abgesichert, so dass sich die Erbengemeinschaft zum Verkauf gezwungen sah.

Zu 3.
Das Bezirksamt hat Kontakt zum Vorstand der Stiftung und zu den Mietern des Hau-ses. Die Überlegungen der Erbengemeinschaft waren dem Bezirksamt bekannt. Für den Erhalt des Hauses standen im Bezirk keine Mittel zur Verfügung, auch andere Unterstützungsmöglichkeiten wurden nicht gesehen.

Mit freundlichen Grüßen

Monika Thiemen

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